100 JAHRE INTERNATIONALER FRAUENTAG

Am 8. März 2011 jährt sich der Internationale Frauentag zum 100. Mal.
Nachdem 1910 die II. Internationale Sozialistische Frauenkonferenz, an der mehr als 100 Delegierte aus 17 Ländern teilgenommen hatten, auf Initiative der deutschen Sozialistin Clara Zetkin am 27. August 1910 in Kopenhagen die Einführung eines jährlichen Internationalen Frauentages beschlossen hatte, wurde dieser im darauf folgenden Jahr erstmals begangen. Er fand am 19. März 1911 in Dänemark, Deutschland, Österreich, der Schweiz und den USA statt. Mehr als eine Millionen Frauen, eine bis dahin beispielslose Massenbewegung, gingen auf die Straße und forderten das aktive und passive Wahlrecht für Frauen. In den kommenden Jahren schlossen sich Frauen in Frankreich, Schweden, den Niederlanden und Russland der Idee an und demonstrierten.
Am 8. März 1917 streikten Arbeiterinnen Textilfabriken in St. Petersburg anlässlich des Internationalen Frauentages und forderten andere Betriebe auf, sich anzuschließen. Letztlich streikten 90.000 Menschen, deren Unzufriedenheit am 12.03.1917 in der Februarrevolution endete. Aufgrund der epochalen Bedeutung dieses Ereignisses wurde der Internationale Frauentag zukünftig auf den 8. März festgelegt.
Wir haben zu diesem Anlaß eine Auswahl der Plakate zum 8. März aus unserem Archiv digitalisiert, die ab heute als kleine Onlineausstellung anzusehen sind. Sie geben einen Einblick in die Geschichte des Internationalen Frauentages in Deutschland sowie einigen Nachbarländern und zeigen die Entwicklung der Forderungen von Frauenrechten und Gleichstellung.

Quelle: Goethe-Institut

Unter dem Motto "Frauen, jetzt reicht's" versuchen Frauen in ganz Deutschland 1974, nach der gescheiterten "Aktion 218" von 1971, erneut, die Öffentlichkeit für eine radikale Reform des Abtreibungsparagraphen zu mobilisieren.
Zusammenstellung verschiedener Frauenprojekte mit Anschrift und Öffnungszeiten aus den 70er Jahren. Im Zuge der Frauenbewegung Ende der 60er, Anfang der 70er Jahre wird der Internationale Frauentag zu einem Tag breit angelegter, vielfältiger Aktionen,...
...in denen Frauen ihre Forderungen und Wünsche öffentlich kundgeben. Durch die Zusammenarbeit verschiedener und kontrovers zusammengesetzter Frauengruppen gewinnt der Internationale Frauentag an Nachdruck und Durchsetzungskraft.
1978 beschließt die Sozialistische Fraueninternationale in Vancouver den 8. März erneut als weltweiten Kampftag für Frauenrechte und Frieden zu begehen. Im Mai das darauf folgenden Jahres fordert die Bundeskonferenz der Arbeitsgemeinschaft.
Sozialdemokratischer Frauen (ASF) den SPD-Parteivorstand auf, zukünftig wieder den Internationalen Frauentag durch zu führen. Entsprochen wird dieser Forderung jedoch erst 1982, als sowohl SPD als auch DGB beschließen den 8. März als Frauentag wieder zu beleben. Ab Beginn der 80er Jahre...
...wird die Forderung nach Frieden und Abrüstung zentrales Thema, Frauen- und Friedenspolitik werden verknüpft. Die Frauen-Friedensinitiativen fanden auf den Inter-nationalen Frauentagen große Resonanz.
Partei- und organisationsübergreifend fordern die Frauen „Lasst uns Frauenrechte und Frieden organisieren“. Parallel dazu soll der 8. März weiterhin dazu dienen aktuelle Probleme der arbeitenden Frauen zu diskutieren. Dies war möglich geworden, nachdem der Deutsche Gewerkschaftsbund...
...1981 den Protesten der Gewerkschafterinnen hatte nachgeben müssen, das Verbot der öffentlichen Bekanntgabe frauenpolitischer Forderungen aufhob und den Internationalen Frauentag als solchen und nicht als "sozialistischen Kampftag" anerkannte.
"Auf zur Plötze! Solidarität mit den eingeknasteten Frauen!" Als beschlossen wird, die in den 70er Jahren als Hochsicherheitsgefängnis für Frauen geplante und gebaute Justizvollzugsanstalt Plötzensee zu schließen, um Platz für Männer aus den überfüllten Männergefängnissen zu schaffen, nutzen Gegnerinnen des Beschlusses den Internationalen Frauentag für Kundgebungen. Sie sehen in der Umverteilung der Insassinnen auf verschiedene JVAs außerhalb Berlins die Gefahr, dass die Frauen auseinandergerissen, isoliert in kleinen Gruppen in Männergefängnissen sitzen, ohne die Möglichkeit sich auszutauschen und zu organisieren.
In der ersten Hälfte der 90er Jahre dient der 8. März vorrangig einer Annährung der Frauen aus Ost und West, nachdem der Umgang mit §218 im Einigungsvertrag.
Spannungen und Kommunikationsprobleme ausgelöst hatte und vorallem die ostdeutschen Frauen einen Rückschritt für Frauen in der Gesellschaft bestätigt sahen. Zeitgleich rufen Frauen aufgrund verstärkter Ausländerfeindlichkeit im gesamten Land zur internationalen Solidarität mit allen Frauen auf. Zunehmende Globalisierung macht Kapitalismus, Sexismus, Rassismus, Faschismus und Antisemitismus zu zentralen Themen.
1994 wird in der Woche vom 5. bis 8. März unter dem Protestslogan "Jetzt schlägt's 13!" in ganz Deutschland zum ersten Frauenstreik aufgerufen.
Die Themen sind vielfältig und reichen vom Abbau der Grundrechte, Abbau der Sozialleistung und zunehmender Frauenarmut, über die Vorbereitungen deutscher Kriegsbeteiligung hin zu Umweltzerstörung und Zurückdrängung bereits erreichter Frauenrechte.
Ab Ende der 90er Jahre und mit Beginn des neuen Jahrtausends vernetzen sich, begünstigt durch...
... das Internet, Institutionen, Organisationen und Initiativen der Frauenbewegung national und international.
Seitdem sind die Themen, Anliegen und Botschaften vielseitig und weisen eine große Bandbreite an Veranstaltern auf.
Seit den 1990er Jahren werden in den Kommunen und öffentlichen Ämtern „Gleichstellungsbeauftragte“ und „Gleichstellungsbüros“ gewählt und eingerichtet, die eine große Rolle bei Planung und Organisation spielen. Weitere Initiativträger sind die Gewerkschaften, Universitäten, Parteien und Bündnisse aus diversen frauenpolitischen Initiativen, Gruppen und Vereinen.
Thematisch erstrecken sich die Motive von internationalen Aufrufen bis zu lokalpolitischen Forderungen, die in konkreten Anliegen formuliert werden.