Insa Eschebach - Homophobie und Devianz. Weibliche und männliche Homosexualität im Nationalsozialismus

In der Reihe Forschungsbeiträge und Materialien der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten ist der sechste Band mit dem Titel „Homophobie und Devianz“ unter der Herausgeberschaft von Insa Eschebach erschienen.

Die Frage nach der Vergleichbarkeit der Verfolgung von männlicher und weiblicher Homosexualität im Nationalsozialismus zieht sich als roter Faden durch den Band. Hierbei wird angeknüpft an die Debatte um historische Bedeutungen und aktuelle gedächtnispolitische Auswirkungen.

Der historische Bezug wird im ersten Teil des Buches hergestellt, in dem es um einen allgemeinen Blick auf das Thema Homosexualität im Nationalsozialismus geht.


Um konkrete Personen und Orte geht es im Kapitel „Homophobie und Homosexualität in den Lagern“. Hierbei werden einige Forschungslücken geschlossen, die in den vorangegangenen Debatten viel Raum für Spekulationen gelassen hatten. Den konkreten Bogen zur aktuellen Debatte schlagen die Artikel im abschließenden Teil „Erinnerungsgeschichte, Kontroversen und die Praxis des Gedenkens“. Vor allem dieser Teil des Buches ist vor der Kontroverse um die Einweihung des neuen Filmes des Berliner Homosexuellen-Denkmals von aktueller Bedeutung.

Eine im Zusammenhang der Diskussion um die Ausblendung lesbischer zugunsten schwuler Identität beim Mahnmal, interessante aufgeworfene Frage stellt Eschebach selbst: Ist der Kampf um die Aufnahme einer lesbischen Perspektive nur wieder ein Kampf um „prekären und traditionell subalternen Status lesbischer Identität“? Gibt es andere konstruktivere und vor allem aktivere Herangehensweisen sich aus dieser Einverleibung zu lösen?

Der vorliegende Band ist ein Zwischenergebnis bei der Suche nach einem Weg aus diesem Dilemma. Er ist eine Bilanz, bietet gleichzeitig über die reine Zusammenfassung des status quo aber gute Anregungen für einen kreativen Umgang mit der Kontroverse, die über ein reines Gegeneinander lesbischer und schwuler Identitäten hinausweisen will.

Franziska Harnisch