Statement zum Austritt aus dem E2H Projekt vom 27. Februar 2020

Lieber Vorstand des Vereins der Freund*innen des Elberskirchen-Hirschfeld-Hauses – Queeres Kulturhaus e.V. und liebe E2H-Projektbeteiligte,

der Spinnboden Lesbenarchiv & Bibliothek e.V. hat sich wie die anderen beteiligten Einrichtungen seit 2012 aktiv für die Realisierung eines queeren Kompetenzzentrums für Forschung und Bildung, Geschichte und Kultur – das Elberskirchen-Hirschfeld-Haus (Arbeitstitel) – in Berlin eingesetzt. Über die Bündelung von Ressourcen der beteiligten Bibliotheken und Archive sowie Forschungs- und Bildungseinrichtungen will dieses Haus laut Gründungsprotokoll zu mehr queerer Sichtbarkeit und zu einer Beförderung von queerer Wissenschaft, Bildung und Kultur über die Hauptstadt hinaus beitragen.

Dieses Vorhaben ist mit der Verabschiedung der Initiative „Berlin tritt ein für Selbstbestimmung und Akzeptanz geschlechtlicher und sexueller Vielfalt“ (IGSV) im November 2018 in der 45. Maßnahme mit Vorgaben einer „fachliche[n] Begleitung des Umsetzungsprozesses“ durch die Senatsverwaltung für Kultur und Europa sowie einer „Förderung der Erarbeitung von Perspektiven zur längerfristigen Bewahrung, Erfassung und Erschließung historisch relevanter Bestände“ noch einmal bekräftigt worden.

Die derzeitige Entwicklung und Ausrichtung des Projektes zum Elberskirchen-Hirschfeld-Haus (kurz: E2H) entspricht nach Einschätzung des Spinnboden Lesbenarchiv & Bibliothek e.V. jedoch nicht mehr dieser einstigen und immer noch erstrebenswerten Zielsetzung.

Inhaltlich überwiegt im E2H-Projekt inzwischen die Organisation von Veranstaltungen, während die Sammlungs-, Forschungs- und Bildungsarbeit der beteiligten Projekte nicht in Erscheinung tritt. Strukturell werden die einzelnen beteiligten Projekte nicht als eigentliche Träger*innen des Projekts angesehen und nicht bei Entscheidungsprozessen einbezogen. Eine Integration der beteiligten Projekte in eine konkrete, transparente und integrative Projektplanung im Rahmen einer konstruktiven, respektvollen und verbindlichen Zusammenarbeit ist nicht erkennbar.

Zudem teilen wir nicht die politischen Positionen der_des ersten und zweiten Vorsitzenden des E2H-Projekts wie sie mit der transfeindlichen Ankündigung der IQN-Veranstaltung „Transgender: Geschlechtergerechtigkeit passé?“ beispielhaft deutlich wurde. Wir verstehen uns als Teil einer queeren Community, die inklusiv arbeitet und vielfältige Lebensrealitäten wertschätzt sowie sich gegen jegliche Formen der Diskriminierung einsetzt.

Aus diesen Gründen hat der Spinnboden Lesbenarchiv & Bibliothek e.V. beschlossen, sich nicht mehr am E2H-Projekt zu beteiligen und aus dem Verein der Freund*innen des Elberskirchen-Hirschfeld-Hauses – Queeres Kulturhaus e.V. auszutreten.

Die gute und konstruktive Zusammenarbeit mit einzelnen aktuellen Einrichtungen des E2H-Projekts wie FFBIZ – das feministische Archiv, Queerformat – Fachstelle Queere Bildung, Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft und Bundesstiftung Magnus Hirschfeld sowie mit ehemaligen Projektbeteiligten wie z.B. die Forschungsstelle Geschichte der Sexualität der HU Berlin möchte und wird der Spinnboden Lesbenarchiv & Bibliothek e.V. hingegen auch in Zukunft sehr gerne fortführen.

Den Vorstand des Vereins der Freund*innen des Elberskirchen-Hirschfeld-Hauses – Queeres Kulturhaus e.V. bitten wir, das Logo des Spinnboden Lesbenarchiv & Bibliothek e.V. von der E2H-Website zu nehmen und nicht mehr auf uns als „Partner*innen“ oder in sonstiger Form zu verweisen.

Mit freundlichen Grüßen,

Der Vorstand und das Team von Spinnboden Lesbenarchiv & Bibliothek e.V.